Wirtschaft

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2012 sind zwanzig Jahre seit der ersten internationalen Konferenz von Rio de Janeiro, bekannt auch als UNO-Erdgipfel, vergangen. An jenem Anlass haben die 183 teilnehmenden Staaten, darunter auch die Schweiz, verschiedene Abkommen für eine globale nachhaltige Entwicklung unterzeichnet. Ziel war eine Neuausrichtung von Produktion und Konsum in Richtung Nachhaltigkeit in den Industrieländern sowie die Bekämpfung der Armut in den Entwicklungsländern. Seitdem gab es Fortschritte, aber die grüne Wirtschaft, die Reduktion der Emissionen, die Bekämpfung der Armut haben wir noch nicht im Griff. Die nachhaltige Entwicklung bleibt ein Ziel, auch für die Schweizer Wirtschaft. Und der Druck nimmt zu. Viele Unternehmer haben erkannt, dass die grüne Wirtschaft auch Arbeitsplätze schafft. Das Marktpotenzial von umweltschonenden Produktionsverfahren, Gütern und Dienstleistungen ist enorm. Und die Kosten für die Umweltschäden können nicht ewig auf die Allgemeinheit abgeschoben werden. Im Interesse der ganzen Welt muss die Politik ihr Primat gegenüber der Wirtschaft behaupten und die Interessen der Gesellschaft verteidigen.

Einige Standpunkte

Warum Schule und Berufsbildung fördern?

Erziehung und Bildung sind wichtige Ressourcen für die einzelnen Menschen, für die Gesellschaft und für die Wirtschaft. Nur wer unsere komplexe Welt kennt und versteht, steuert sein Leben selbständig und übernimmt soziale Verantwortung. Schule und Berufsbildung müssen sich entwickeln können und brauchen fördernde Lernbedingungen sowie genügend Mittel.

Müssen die Finanzmärkte besser reguliert werden?

Die Schweiz ist ein wichtiger Finanzplatz, aber die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass die Selbstverantwortung der Manager sich in Luft aufgelöst hat. Der Bund musste die UBS retten und hat deswegen sogar das Parlament übergangen. Mit strengen Regeln muss verhindert werden, dass dies ein weiteres Mal geschieht. Ein sauberer und transparenter Finanzplatz ist für ehrliche Kunden die beste Garantie.

Welche Beziehungen zur Europäischen Union (EU)?

Die Schweiz befindet sich im Herzen Europas. Wir alle wissen, wie wichtig es ist, konstruktive Beziehungen zu unseren Nachbarn zu pflegen. Die EU – trotz der schwierigen Fragen, die sie zur Zeit zu beantworten hat – ist nicht nur unser wichtigster Handelspartner, sondern auch Garant für Frieden und Entwicklung auf unserem Kontinent. Sich in Igelposition gegenüber Europa zu stellen, in dieser globalisierten Welt, führt in eine Sackgasse. Die bilateralen Verträge müssen erhalten und weiterentwickelt werden, wie der Bundesrat es will. Nach der Annahme der Initiative zur Masseneinwanderung muss unser Verhältnis zu Europa in einer weiteren Abstimmung geklärt werden. Und für die Zukunft wollen wir ohne Vorurteile alle Optionen frei diskutieren können!

Sollen die ökologischen Reformen bei der Agrarpolitik (AP) 2014-2017 unterstützt werden?

Das neue Direktzahlungssystem reduziert Fehlanreize in der Tierproduktion und macht Leistungen für die Artenvielfalt und das Tierwohl attraktiver. Und dies zeigt schon nach einem Jahr positive Folgen. Die Bauern wenden die neuen Regeln an und schaffen win-win-Situationen für ihre Unternehmen und die Natur. Ganz besonders profitieren die Bergregionen, die Alpwirtschaft und die Biodiversität – erklärte Ziele der AP 2014-2017! Die extensiv bewirtschafteten Flächen im Berggebiet verdienen  die bessere finanzielle Abgeltung. Die Umweltbilanz der Schweizer Landwirtschaft ist aber auch 20 Jahre nach Annahme des neuen Verfassungsartikels immer noch ungenügend. Die stark intensivierte Landwirtschaft führt zu Überdüngung von Böden und Gewässern und zu ausgeräumten Landschaften. Blumenwiesen verschwinden und nur anspruchslose Vogelarten überleben.  Die AP 2014-2017 bringt Fortschritte. Es ist darum mehr als gerechtfertigt, dass die Politik den Bauernbetrieben genügend Zeit zur Umstellung gewährt.

In Graubünden produzieren über 56% der Betriebe auf ökologischer Basis – eine schöne Ausnahme! Ihre Bio-Produkte sind von hoher Qualität und die Landschaft ist artenreicher, was auch dem Tourismus zu Gute kommt. Und die neuen Regeln der AP verstärken diesen Trend.

Kann die Wirtschaft auch in den Bergregionen entwickelt werden?

Natürlich. Ein Sprichwort sagt: Hilf dir selbst, dann hilft dir der Himmel. Dies trifft heute auch für die Regionalpolitik des Bundes zu. Erste Priorität geniesst die Förderung der eigenen Kräfte, der vorhandenen Potenziale auf regionaler Ebene.

Es ist zudem wichtig, genügend grosse Verwaltungseinheiten zu schaffen, damit die wirtschaftliche Entwicklung und die Raumplanung für die ganze Region koordiniert und die kulturellen und natürlichen Werte geschont werden können. Ein gutes Beispiel ist die Schaffung von regionalen Natur- oder Nationalpärken, die die Entwicklung der Regionen bündeln und eine ganze Reihe wirtschaftlicher Impulse auslösen. Ein weiteres erfolgreiches Beispiel ist das UNESCO-Weltkulturerbe Rhätische Bahn, das ein spektakuläres Pionierwerk mit den eindrücklichen Landschaften Albula/Bernina auch touristisch in Wert setzt.